Die Gefährdungsbeurteilung (GBU) ist der systematische Prozess, mit dem Gefahren erkannt, Risiken bewertet und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung oder Reduzierung festgelegt werden. Sie ist Grundlage für Sicherheitskonzepte, Dienstanweisungen und die Unterweisung der Mitarbeitenden.
Rechtliche Basis (Auswahl)
- ArbSchG § 5/6 – Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung & Dokumentation.
- DGUV-Vorschriften/Regeln – branchenspezifische Konkretisierung.
- BewachV – Pflichten für Bewachungsunternehmen (Unterweisung, Organisation).
- DSGVO – bei Video, Personendaten, Zutrittssystemen.
Typische Anlässe
- Neues Objekt / neuer Auftrag (Objektaufnahme, Objektbegehung).
- Änderung: Technik, Prozesse, Layout, Personenströme.
- Unfälle/Vorfälle, Beinaheereignisse, Meldungen.
- Regelmäßige Überprüfung (z. B. jährlich, anlassbezogen).
Vorgehen in 6 Schritten
- Tätigkeiten erfassen: Posten/Arbeitsplätze, Aufgaben, Zeiten, Alleinarbeit, Besucherverkehr.
- Gefahren erkennen: mechanisch, elektrisch, Brand/Explosion, Wetter, Verkehr, soziale Konflikte, psychische Belastung.
- Risiken bewerten: Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadensschwere (Risikomatrix).
- Maßnahmen festlegen: technisch – organisatorisch – personenbezogen (TOP-Prinzip), Fristen, Verantwortliche.
- Wirksamkeit prüfen: Kontrollen, Begehungen, Feedback aus Schichtberichten.
- Dokumentieren & fortschreiben: Versionierung, Änderungsstand, Nachverfolgung.
Risikomatrix (Beispiel)
Kategorien
- Eintritt: selten – gelegentlich – wahrscheinlich – häufig
- Schaden: gering – merklich – schwer – kritisch
- Risikostufe: grün/gelb/orange/rot → Handlungsbedarf
Beispiele Sicherheitsdienst
- Nachtdienst allein: Überfall/Bedrohung → orange, 2-Mann-Regel / Notrufknopf.
- Außenkontrollen an Straße: Anfahren durch Fahrzeuge → rot, Warnweste, Laufwege, Absicherung.
- Revierfahrt im Winter: Rutschgefahr → gelb, Schuhe SRA/SRC, Zeitpuffer.
Rollen & Verantwortlichkeiten
- Arbeitgeber/Unternehmensleitung: Verantwortung insgesamt, Ressourcen bereitstellen.
- Fachkraft für Arbeitssicherheit & Betriebsarzt: beraten, mitwirken.
- Objektleitung/Dispo: Umsetzung im Objekt, Dienstpläne, Unterweisungen.
- Mitarbeitende: Gefahren melden, PSA nutzen, Maßnahmen einhalten (Ausrüstung).
Dokumentation (Mindestinhalt)
Formalia
- Objekt, Bereich, Tätigkeit, Datum, Bearbeiter/Verantwortliche.
- Gefährdungen, Bewertung, Schutzmaßnahmen (TOP), Fristen.
- Unterweisungsnachweis, Wirksamkeitskontrolle, Version/Stand.
Schnittstellen
Praxis-Tipps
Im Einsatz
- Alleinarbeit nur mit Notruflösung/Check-in und klaren Laufwegen.
- Fixe Ablöse- und Meldezeiten, „Toter-Mann“-Funktion prüfen.
- Wetter/Umgebung täglich bewerten (Glätte, Dunkelheit, Baustellen).
Organisation
- GBU regelmäßig zusammen mit Posten (Begehung) aktualisieren.
- Maßnahmen in Dienstanweisung übersetzen, verständlich halten.
- Rücklauf aus Schichtberichten / Vorfällen einarbeiten.
Schnell-Checkliste
- Gefahr erkannt? → sofort melden (Leitstelle/Objektleitung).
- Ist die Schutzmaßnahme technisch möglich? Sonst organisatorisch/personenbezogen.
- PSA vorhanden & passend? Unterweisung erfolgt & dokumentiert?
- Wirksamkeit geprüft? Termin zur Nachkontrolle gesetzt?
Verwandte Begriffe: Risikoanalyse, Sicherheitskonzept, Brandschutzhelfer, Evakuierungshelfer, Dokumentation.
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