Hintergrundbild §34a-Lexikon

Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung (GBU) ist der systematische Prozess, mit dem Gefahren erkannt, Risiken bewertet und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung oder Reduzierung festgelegt werden. Sie ist Grundlage für Sicherheitskonzepte, Dienstanweisungen und die Unterweisung der Mitarbeitenden.

Rechtliche Basis (Auswahl)

  • ArbSchG § 5/6 – Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung & Dokumentation.
  • DGUV-Vorschriften/Regeln – branchenspezifische Konkretisierung.
  • BewachV – Pflichten für Bewachungsunternehmen (Unterweisung, Organisation).
  • DSGVO – bei Video, Personendaten, Zutrittssystemen.

Typische Anlässe

  • Neues Objekt / neuer Auftrag (Objektaufnahme, Objektbegehung).
  • Änderung: Technik, Prozesse, Layout, Personenströme.
  • Unfälle/Vorfälle, Beinaheereignisse, Meldungen.
  • Regelmäßige Überprüfung (z. B. jährlich, anlassbezogen).

Vorgehen in 6 Schritten

  1. Tätigkeiten erfassen: Posten/Arbeitsplätze, Aufgaben, Zeiten, Alleinarbeit, Besucherverkehr.
  2. Gefahren erkennen: mechanisch, elektrisch, Brand/Explosion, Wetter, Verkehr, soziale Konflikte, psychische Belastung.
  3. Risiken bewerten: Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadensschwere (Risikomatrix).
  4. Maßnahmen festlegen: technisch – organisatorisch – personenbezogen (TOP-Prinzip), Fristen, Verantwortliche.
  5. Wirksamkeit prüfen: Kontrollen, Begehungen, Feedback aus Schichtberichten.
  6. Dokumentieren & fortschreiben: Versionierung, Änderungsstand, Nachverfolgung.

Risikomatrix (Beispiel)

Kategorien

  • Eintritt: selten – gelegentlich – wahrscheinlich – häufig
  • Schaden: gering – merklich – schwer – kritisch
  • Risikostufe: grün/gelb/orange/rot → Handlungsbedarf

Beispiele Sicherheitsdienst

  • Nachtdienst allein: Überfall/Bedrohung → orange, 2-Mann-Regel / Notrufknopf.
  • Außenkontrollen an Straße: Anfahren durch Fahrzeuge → rot, Warnweste, Laufwege, Absicherung.
  • Revierfahrt im Winter: Rutschgefahr → gelb, Schuhe SRA/SRC, Zeitpuffer.

Rollen & Verantwortlichkeiten

Dokumentation (Mindestinhalt)

Formalia

  • Objekt, Bereich, Tätigkeit, Datum, Bearbeiter/Verantwortliche.
  • Gefährdungen, Bewertung, Schutzmaßnahmen (TOP), Fristen.
  • Unterweisungsnachweis, Wirksamkeitskontrolle, Version/Stand.

Praxis-Tipps

Im Einsatz

  • Alleinarbeit nur mit Notruflösung/Check-in und klaren Laufwegen.
  • Fixe Ablöse- und Meldezeiten, „Toter-Mann“-Funktion prüfen.
  • Wetter/Umgebung täglich bewerten (Glätte, Dunkelheit, Baustellen).

Organisation

Schnell-Checkliste

Merksatz: Gefährdungen erkennen – Risiken bewerten – Maßnahmen festlegen – Wirksamkeit prüfen – alles dokumentieren.

Verwandte Begriffe: Risikoanalyse, Sicherheitskonzept, Brandschutzhelfer, Evakuierungshelfer, Dokumentation.

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